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Teilnehmerberichte

Gedanken von drei Berliner SeminarteilnehmerInnen zu
Rolf Schübels Seminar "Script Doctoring für Dokumentarfilm"

Gleich vorweg.
Dieses war sicherlich nicht unser letztes Seminar in Linden!
Das hat nicht nur (aber auch) mit der engagierten Organisation und der fast familiär zu nennenden Betreuung durch die Medienwerkstatt zu tun, sondern natürlich vor allem mit den Thematiken und den Personen, die zur Veranstaltung der Seminare eingeladen werden.
In diesem Sinne nun zu Rolf Schübel.

Angereist waren 14 TeilnehmerInnen aus dem norddeutschen Raum mit recht unterschiedlichem fachlichem und persönlichem Hintergrund. Entsprechend unterschiedlich waren daher auch die einzelnen Themen bzw. Projekte, die zur Diskussion mitgebracht wurden. Die Spannbreite umfaßte unter anderem einen Imagefilm für eine der letzten ungebundenen Regionalzeitungen, einen sozialtherapeutischen Magazinbeitrag, ein Umwelt-Thema, ein Film-Essay zu einem griechischen Mythos, ein Indianer Thema, ein Thema zum Übergang vom Leben zum Tod sowie die Begleitung einer rückkehrenden Zwangsarbeiterin in ein niedersächsisches Dorf; auch Kuba war ebenso als Thema vertreten wie ein Rettungsversuch für die Ehre eines ehemals umjubelten Altbundespräsidenten.

Rolf Schübels Eröffnung der Runde setzte gleich zu Beginn das entscheidende Signal für den Verlauf des ganzen Seminars: Offenheit, persönliches Verhalten und wechselseitiges Interesse aneinander. Es ist ein echter Glücksfall, einen Seminarleiter zu haben, der nicht nur mit Kompetenz und reicher Erfahrung dienen kann, sondern dies auch wirklich tut. Ohne Prätentionen hat er sich zu einem Teil der Gruppe gemacht, und damit diese zu einer kritisch solidarischen Gemeinsamkeit ermuntert – anstatt nur ein Lehrer/Schüler Verhältnis zu etablieren und durch Monologe den Denkprozeß in der Gruppe zu dominieren. Jeder konnte sich persönlich wahrgenommen fühlen und brachte sich entsprechend in der Runde ein.

Jede/r war bemüht, nicht nur ihr bzw. sein eigenes Skript der Gruppe vorzustellen, die eigenen Erfahrungen und Ideen in den Anschauungen der anderen zu spiegeln und für die Weiterarbeit etwas mitzunehmen, sondern auch über die interessierte Diskussion am fremden Material für die jeweils anderen etwas beizutragen. Angst vor Ideenklau oder vor zu scharfer Kritik von anderen kamen so wohl gar nicht erst auf. Kennzeichen für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen zueinander war denn auch, dass ab dem zweiten Morgen der Computer der Medienwerkstatt oft blockiert war durch die Skripte, die hier entworfen wurden, um sie doch noch in die Gruppe reinzureichen...
Selbst am letzten Tag kam noch eine Skizze, die uns alle überraschte – weil sie so interessant war vom Thema her und so engagiert von Seiten der Macherin vorgetragen. Ihr wünschten dann alle viel Phantasie beim Beschaffen von Geldern und Kraft und Durchhaltevermögen in den Strukturen auf einem Dorf angesichts der Konfrontation mit der Vergangenheit, die auch hier nicht immer so gern in die Erinnerung gebracht wird –- Dokumentarfilm zeigt eben keine Fiktion!..

Und, naja, es sei denn auch zugegeben - etwas anderes haben wir uns machmal noch ausführlicher gewünscht - einen direkteren Einblick in die Innenansicht und die Persönlichkeits- und Machtstrukturen der viel beschworenen potentiellen Geldgeber, die Fernsehanstalten, in die notwendigen kleinen Tricks und schlauen Strategien, um doch noch etwas als Anfänger durchzubekommen, doch den richtigen und nicht den Dumping-Preis zu bekommen...., aber über das hier geleistete gute Stück hinaus muß das wohl jeder von uns selbst erarbeiten, selbst erfahren – Wir waren hier, um erfolgversprechende Konzepte schreiben zu können und um aus den eigenen Papieren zu lernen - Rolf hat uns sehr gute Startbedingungen sowohl in formaler, dramaturgischer und ästhetischer Sicht dafür mitgegeben, selbstbewußt und kreativ diesen Weg zu gehen – und, was uns ebenso wichtig war – er hat uns ermöglicht, nicht in Konkurrenz untereinander zu verharren, sondern die eigene Kreativität zu mobilisieren und das Interesse anderer für uns nutzbar zu machen. Es auch zuzulassen, den eigenen Kopf auf die Füße gestellt zu bekommen, ist nicht immer einfach – aber in Linden schon !

Dies ist nicht der Platz, ein Loblied auf Rolf Schübels filmisches Werk anzustimmen, – dies ist ja auch schon reichlich geschehen. Aber die von uns ausgewählten Filme aus seinem mitgebrachten gut gefüllten Koffer –"Nachruf auf eine Bestie" (über den Kindermörder Jürgen Bartsch) und "Der Indianer" (Begleitung eines krebskranken Freundes, der am Ende den Kampf verliert) – haben wohl bei uns allen einen starken Eindruck hinterlassen.

Aber es gab auch ein Leben nach der Arbeit, das sich bei den Gedanken an Linden in die Erinnerung drängt – der dunkelrote blumige Rioja-Wein, die 50 Tapire, über den Schrank in Hamburg ziehend, die Sache mit dem Korken, die nur ganz wenige von uns verstanden - was nicht unbedingt an mangelnden Korken zum üben, am fehlenden, augenblitzenden Charme von Rolf oder am Schwierigkeitsgrad der Fingerübung lag.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Wer mehr über die Tapire wissen will, über die Dinge mit Zentralafrika und Bier unter'm Äquator - Rolf gibt auch noch weitere Seminare!

Wir haben vereinbart – Rolf`s Anregung – uns nach 2 Jahren wieder in Linden zu treffen, natürlich um unsere fertigen Filme zu sehen und über die wundersame Vermehrung der Tapire zu erfahren und zu kosten, ob der rote Wein beim Spanier in der Straße um die Ecke noch der gleiche ist.

Wir sind dabei !
Günter Eisenhardt, Ortrud Rubelt, Eva Zimmermann