Kontakt
mediacampus
Service & Technik
Filmproduktion
Medienpädogogik
Aktuelles
Wir über uns
Impressum

Eigenproduktionen

"Mit anderen Augen - Sabriye Tenberken"

"Zerrissen"



"Mit anderen Augen - Sabriye Tenberken"

Dokumentarfilm 42'30´´Beta SP, Farbe

Regie: Uwe Gooß, Manuel Rennert
Produktionsltg.: Manuel Rennert
Kamera: Manuel Rennert, Micha Bojanowski
Schnitt: Manuel Rennert
Ton: Uwe Gooß, Toni Aneken, Marion Meyer
Redaktion: Barbara Denz
Audiodeskription: Projekt Hörfilm, DBSV
Musik: Sigrun Krüger
Förderung: Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BSN), kulturelle
Filmförderung des Landes Niedersachsen, Filmförderung aus Mitteln des NDR in
Niedersachsen

Mit anderen Augen Oktober 1998, der Blindenverband Niedersachsen hatte zu einer Veranstaltung geladen. Sabriye Tenberken, eine junge Studentin aus Bonn, würde über ein von ihr auf die Beine gestelltes Projekt in Tibet berichten und anschließend einen größeren Spendenbetrag von Frau Ministerin Alm-Merk in Empfang nehmen.
Der Blindenverband Niedersachsen wollte diesen Anlass auf Video dokumentiert haben. Hier traf ich das erstemal mit Sabriye zusammen. Durch eine Pressemappe wusste ich das Sabriye Tenberken damals 27 Jahre alt war und im Alter von 12 Jahren völlig erblindete. Sie wirkte jedoch viel jünger. Ich konnte nicht glauben das sie allein nach Tibet gereist war, um hier eine Schule für blinde tibetische Kinder zu errichten. Hätte ich selbst schon meine Schwierigkeiten in dieses Land zu reisen, so stellte ich mir vor wie kompliziert es für ein blindes junges Mädchen sein muss, sich dort zu recht zu finden. Auf der Veranstaltung erfuhr ich noch weitere Einzelheiten über das tibetische Schulprojekt und Sabriyes Lebensweg. So hatte sie während ihrer Studienzeit der Zentralasienwissenschaften, unter schwierigsten Bedingungen, eine tibetische Punktschrift entwickelt, die es bis dahin nicht gab. Ich war fasziniert. Nach dem Vortrag sprach ich Sabriye an, wollte mehr wissen über sie und spielte mit dem Gedanken, einen Film über sie machen zu wollen. Das hatten natürlich schon eine ganze Reihe anderer Sender und Produktionsfirmen ins Auge gefasst und so machte ich mir wenig Hoffnung angesichts der großen Konkurrenz. Doch ich merkte, das wir uns auf Anhieb sympathisch waren, ich merkte aber auch wie fremd mir der Umgang mit Blinden war und bis heute noch ist. Immer wieder wollte ich eine hilfreiche Rolle einnehmen, meine Augen zu Verfügung stellen und fing an beschreibende, bildreiche Wörter zu benutzen. Ich verhielt mich nicht anders als viele andere auch. Ich glaubte einen Vorteil zu haben, weil ich doch sehen kann. Ohne daran zu denken, das es auch noch andere Möglichkeiten gibt seine Umwelt wahrzunehmen, zu spüren und "zu sehen".

Schulprojekt in Tibet Anfang 1999, ich war weiterhin mit Sabriye in Kontakt geblieben und sie gab mir sozusagen das Exklusivrecht, über sie einen Film zu machen, reichte ich bei verschiedenen Förderinstitutionen meine Unterlagen ein. Schließlich bekam ich eine Zusage von der kulturellen Filmförderung Niedersachsen und der Filmförderung des NDR. Erste Station war Amerika, einer der größten Veranstaltungen der Welt für blinde Menschen, die NFB (national forderation for the blind) hatte Sabriye eingeladen, um auf diesem Kongress zu sprechen und um ihr Projekt vorzustellen, das auf unglaubliches Interesse stieß. Wir, Manuel Rennert und ich trafen uns mit Sabriye und Paul in Atlanta um die beiden zu begleiten. Paul ist der Lebenspartner von Sabriye. Schon vom ersten Tag an wurde deutlich, das es kein Vergnügen sein würde die beiden bei ihrer Arbeit zu begleiten. Termin auf Termin, Gespräche, Verhandlungen, die Bitte um Geld und Materialien für die Kinder. Immer wieder mussten Paul und Sabriye die selben Geschichten erzählen. Der Tag hatte mehr als 12 Std. und das bei brütender Hitze. Es gab kaum Verschnaufpausen, nicht für uns als Filmteam und noch weniger für Sabriye und Paul. Ich habe niemals zuvor eine solche Veranstaltung erlebt, die mich zeitweise an die Cebit Hannover erinnerte, nur ohne das bekannte Chaos, das dieser Veranstaltung eigen ist. Ein riesiges Hotel, überall blinde Menschen, die eine unglaubliche Organisation und Koordination leisteten. Eine Welt, die so unglaublich interessant ist und ihren ganz eigenen Regeln unterliegt, die unmöglich mit der Kamera darzustellen sind. Im Herbst 1999 ging es nach Tibet/Lhasa. Hier lebt Sabriye, mit Unterbrechungen seit 2 Jahren und leitet die Schule für blinde Kinder. Für uns kam von Anfang an nicht in Frage als offizielles Filmteam einzureisen. Zum einen wäre es zu langen, meist erfolglosen Verhandlungen mit der chinesischen Regierung gekommen und um anderen hatten wir die finanziellen Mittel nicht. So entschieden wir uns für die Touristenversion. Kleines Equipment, kleines Team. Über Nepal, von wo aus es leichter ist eine unkomplizierte Einreise nach Tibet zu organisieren, flogen wir schließlich Mitte Oktober nach Lhasa. Ein eindrucksvolles Erlebnis. 2 Std. Flug über den Himalaja bei glasklarem Himmel. Ohne nennenswerte Schwierigkeiten gelingt uns die Einreise. In der Stadt, ein Gewimmel von verschiedenen Volksstämmen und Kulturen, schwingt eine merkwürdige Stimmung mit. Ich fühle mich an frühere DDR-Durchfahrten erinnert. Ich möchte auch an dieser Stelle nicht weiter auf darauf eingehen, was in Tibet passiert oder noch passieren wird, es könnte unter Umständen dazu führen, das Schulprojekt in Gefahr zu bringen, und um die politische Situation geht es schließlich nicht in dem Film. Ich weiß nicht mehr, was ich erwartete von dem ersten Besuch der Blindenschule, aber meine erste Reaktion war Enttäuschung. Nichts was mich ansprach, wo ich meinte Begeisterung für empfinden zu können. Trostlos. Vielleicht war ich vom farbenprächtigen, lauten Kathmandu verwöhnt? Konnte nicht sein, denn dort schrie einem die Armut der Menschen förmlich ins Gesicht, und die Stadt steht genau genommen kurz vor dem Kollaps. Oder waren das meine Vorstellungen, die ich mir darüber machte, wie es in so einer Schule auszusehen hat? Letzteres traf mehr zu. Wieder einmal hatte ich mir nicht klar gemacht, wie unterschiedlich die Welt der Blinden und Sehenden ist. Wie überheblich man oft an die Dinge herangeht, sich keine Gedanken macht und sich nicht vorstellen kann, das es noch eine andere Welt gibt als die die wir als Sehende wahrnehmen. Nachdem ich für mich akzeptiert hatte, diese Welt nie ganz begreifen zu können, konnte ich mich ganz auf das konzentrieren, was ich in der Schule vorfand. Glückliche Kinder, die ohne Sabriye und Paul nie die Chance gehabt hätten, ein halbwegs menschenwürdiges Leben zu führen. Kinder die jetzt die Möglichkeit haben, lesen und schreiben zu lernen und dieses mit einer Energie und Ausdauer, die ich noch nie erlebt habe. "Die saugen alles auf, wie kleine Schwämme sind die", sagt uns Sabriye.



"Zerrissen"

Dokumentarfilm/Documentary 58´30´´Beta SP, Farbe/color

Regie/Direction;  Uwe Gooß
Idee/Idea;  Uwe Gooß, Roman Schweigert
Produktionsltg./Prod.manager;  Annette Hoppe
Aufnahmeleitung/Unit manager;  Heiner Klus
Kamera/Camera;  Dieter Matzka
Schnitt/Editing;  Manuel Rennert
Ton/Sound;  Uli Pötter, Alexandra Siefert
dramaturg. Beratung/dramaturg. advise;  Helga Reidemeister
Musik/Music KFC;  "Wie lange noch" ZK / "Banner Public Toys
                              "24 Stunden" Tomke Trüün / "Zerrissen"

Zerrissen







Dieser Film wurde gefördert aus Mitteln
der kulturellen Filmförderung der Länder:
Nordrhein Westfalen
Niedersachsen
Saarland



" Für mich war es auch erst Jahre später wichtig, darüber nachzudenken, wie die Dinge wirklich gelaufen sind." (Campino , Grugahalle/Essen 1996)

"Zerrissen" erzählt die Geschichte von Mike, der mit 23 Jahren an einer Überdosis Heroin starb. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit der Punkszene in Düsseldorf und Berlin Anfang der 80er Jahre. Mikes Lebensgeschichte wird durch Gespräche mit der Familie und Freunden nachgezeichnet. Fragen nach seiner extremen Lebensweise werden gestellt und die Verbindung zu der Punkphilosophie und dessen Ausdrucksformen werden hergestellt. Konflikte zwischen Familie und der Suche nach Identität werden deutlich gemacht durch sehr persönliche Stellungnahmen, die sich letztlich zu einem vielschichtigen Schicksalsporträt formen. Parallel dazu erzählt der Regisseur Uwe Gooß in knappen Kommentaren seine eigene Geschichte, die ähnlich verlief wie die von Mike.

Zerrissen Mike wurde 1962 in Düsseldorf geboren.
Er ist das erste Kind einer modernen aufgeschlossenen Familie. Der Vater ist Architekt und die Mutter betreibt eine kleine Boutique, in der sie auch kleine Ausstellungen von Malern, Fotographen und anderen Künstlern organisiert. Die Familie ist angesehen, unterhält einen großen Freundeskreis und lebt in einem idyllischen Stadtteil am Rande Düsseldorfs in ihrem eigenen Haus.

Als Teenager beginnt Mike sich für Musik zu interessieren und arbeitet neben seiner Schule als Roadie für eine New Wave Band, die aus seinem Stadtteil kommt. Er wird von der Gruppe als "persönlicher Neger" bezeichnet und dementsprechend behandelt. Durch England beeinflußt, verändert sich die Düsseldorfer Kunst- und Musikszene. PUNK ist der neue Begriff. Mike interessiert sich nicht mehr für die Schule, immer mehr taucht er in die Punkszene ein und verhält sich extremer. Er ist aggressiv und das Leben in dieser Bewegung kommt seiner Haltung entgegen. Er lernt in der Düsseldorfer Altstadt Heike kennen. Heike macht Geschäfte mit Drogen, und ist auf andere Art und Weise genauso extrem wie Mike. Die beiden verlieben sich ineinander und gehen von da an ihren Weg gemeinsam.

1980 beschließen die beiden, auf Heikes Vorschlag hin, Düsseldorf zu verlassenen und nach Berlin zu gehen. In Berlin bewegt sich die Jugend zu dieser Zeit genauso zu Punk wie in Düsseldorf. Mike übernimmt nach kurzer Zeit das "Chaos", eine Punkkneipe, in der sich die Kids aus Kreuzberg treffen, übernehmen. Der Name des Geschäfts ist bezeichnend für ihr Leben. Heike rutschte immer tiefer in die Berliner Drogenszene und Mike wurde immer mehr zum Kleinkriminellen, der auch seine eigenen Freunde nicht verschonte. Mike flüchtet sich in Drogenexzesse.

Seine Mutter, die mit ihrem Mann nach Süddeutschland gezogen ist, findet Mike irgendwann, völlig verwahrlost, in einer Wohnung. Sie nimmt ihn mit nach Freiburg - Müllheim, Mike versucht dort ein neues Leben aufzubauen. Seine Eltern versuchen ihn bei dieser Unternehmung zu unterstützen, und Rolf baut zusammen mit Mike ein kleines Fachwerkhaus in unmittelbarer Umgebung des elterlichen Hauses aus. Mike hat ein Zuhause, aber er hat immer noch nicht zu sich selbst gefunden. Die letzte Aktion an der er beteiligt ist, ist ein Heroinschmuggel aus Holland. Eine Freundin von ihm holt die Ware mit dem Zug aus Amsterdam. In der folgenden Nacht stirbt Mike an einer Überdosis.



Auftrags- und Koproduktionen
Autoren und Filmemacher