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Auftrags- und Koproduktionen
"Ein langes Leben - Olga Bontjes van Beek"

1998, Dokumentarfilm, 70 min., Beta SP, Farbe
Regie: Sara Fruchtmann / Konstanze Radziwill
Produktion: Medienwerkstatt Linden / Fruchtmann - Radziwill
GbR
Kamera: Karsten Müller
Ton: Henner Reichel
Schnitt: Brigitte Kirsche
Produktionsleitung: Annette Hoppe
Förderung: - Kulturelle Filmförderung Nds. - Kulturelle
Förderung S-H - Stiftung Niedersachsen - Sparkassenstiftung Verden
- Waldemar-Koch-Stiftung, Bremen
Exposé zum Dokumentarfilm: Der Film erzählt von einer
Frau, die fast ein Jahrhundert alt wurde, ein langes Leben. Olga Bontjes
van Beek hat die Weimarer Republik, die Nazizeit und die Bundesrepublik
erlebt. Immer wieder kommt sie in Kontakt mit der Zeitgeschichte, oft
steht sie quer zu den geltenden Normen und verstoßt dagegen. Ihre
Entwicklung als Künstlerin nimmt keinen geradlinigen Verlauf, wie
bei vielen männlichen Kollegen. Beruf, weiblicher Lebensalltag und
eine politische Haltung des "aufrechten Ganges" sind bei ihr untrennbar
verbunden.
Im traditionellen Verständnis ist sie keine Heldin, aber sie war
es zu bestimmten Zeiten. Mit dem für sie typischen Eigensinn ging
Olga ihren Weg als avantgardistische Ausdruckstänzerin, expressionistische
Malerin, Ehefrau, geschiedene Frau und Mutter dreier Kinder, die sie in
der Nazi-Zeit konsequent zu freien Individuen erzog. Olgas älteste
Tochter Cato wurde 1943 mit 22 Jahren in Berlin-Plötzensee hingerichtet,
weil sie Flugblätter geschrieben hatte, die zum Widerstand aufriefen.
Olga hat um das Leben der Tochter gekämpft und verloren. Die zweite
Tochter Mietje, die zusammen mit Cato illegal französischen Kriegsgefangenen
geholfen hatte, entging ihrer Verhaftung nur durch einen Zufall. Sohn
Tim, der Pianist werden wollte, wurde zwei Wochen nach Catos Hinrichtung
an der russischen Front verwundet, ein Handdurchschuß machte seine
Zukunftspläne zunichte. "Kümmert Euch um Mama!" schrieb Cato
in ihrem Abschiedsbrief an die Geschwister.
In der neugegründeten Bundesrepublik prozessierte Olga 12 Jahre lang
gegen das Land Niedersachsen um Catos Rehabilitierung und gewann den Prozeß.
Gleichzeitig wurde sie noch in der zweiten Lebenshälfte zu einer
Malerin von großer Kraft. Doch ihre Geschichte ist nicht nur eine
Familiengeschichte. Sie war befreundet mit dem Pianisten Walter Gieseking,
der sie als Tänzerin auf dem Klavier begleitete, mit dem Bildhauer
Bernhard Hoetger, der ihre Kulissen malte, mit dem Maler Heinrich Vogeler,
in dessen Barkenhoff sie ihren Mann Jan kennenlernte. Auf ihren Tourneen
begegnete sie Kurt Schwitters und Joachim Ringelnatz. Der Philosoph Theodor
Lessing stand ihr nah, vom jungen Helmut Schmidt wurde sie verehrt.
Der Film will keine umfassende Biografie erzählen. Stattdessen konzentriert
er sich auf entscheidende Phasen in Olgas Leben, in denen sich die Entwicklung
von Jahren wie in Knotenpunkten verdichtet und mit dramatischen Einschnitten
endet. Sie besaß die Stärke, in Situationen des Zusammenbruchs
weiterzuleben und sogar etwas Neues zu beginnen. Wo Höhen, Krisen
und Neuanfänge nah beieinanderliegen, spürt der Film dieser
Kraft nach. Am Ende ihres Lebens sehen wir eine schöne alte Frau
(im letzten Lebensjahr gedrehtes Material). Die schweigende Olga unterbricht
und verbindet die Kapitel. Sie scheint ihrer Lebensgeschichte zuzuhören,
die vor allem von Tim und Mietje, den überlebenden Kindern, erzählt
wird. Während sie sprechen, wird auch ihre Prägung durch die
Mutter und den Tod der Schwester sichtbar. Freunde und Zeitzeugen ergänzen
die Darstellung, zu der Olgas Bilder und die Dokumente der Zeit in Beziehung
treten. Der Film endet mit einer Passage, in der Olga, nur Arme und Kopf
bewegend, in Gedanken zum Klavierspiel ihres Sohnes "tanzt". Ihr ganzes
Leben wird kurz vor ihrem Tod noch einmal gegenwärtig. Sie starb
im Februar 1996 in ihrem Elternhaus in Fischerhude bei Bremen. Am 14.
August 1996 wäre sie 100 Jahre alt geworden.
Eigenproduktionen
Autoren und Filmemacher
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